Verruckte Verletzungen in 1991 – Fußball Geschichten in Deutschland
Kuriose Verletzungen: Kuntz stieg aus dem Bus – Bänderriß!
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen … Stefan Kuntz kennt das. Dem Torjäger, gleich zweimal Torschützenkönig der Bundesliga und gegen Ende seiner Karriere auch noch Europameister, war allerdings gar nicht zum Lachen zumute. Als er 1991 mit Kaiserslautern nach München reiste, passierte ihm ein folgenschweres Mißgeschick. Der Mannschaftsbus rollte vor dem Hotel vor, in dem sich Lautern auf das Bundesligaspiel gegen Bayern München vorbereitete. Die Mannschaft stieg aus, Stefan Kuntz als einer der Letzten. Die zwei Stufen runter vom Bus auf den Gehsteig. Und plötzlich machte es knack. Unglücklich war Stefan Kuntz aufgekommen – Bänderriß!

Alle drei Bänder waren gerissen, eine Operation nötig. Bedeutete sechs Wochen Pause und für Kuntz einen neuerlichen Rückschlag im Kampf um die Nationalelf. Gerade mal wieder hatte sich der Bundestrainer angesagt, um die Topform des Lauterer Stürmers zu überprüfen. Und wieder so ein Mißgeschick, das seine Nationalelfkarriere hinauszögerte. Bänderriß beim Aussteigen aus dem Bus – Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht. Und scheinbar sind Läuterns Stürmer davon besonders betroffen. Die Premier Liga Geschichten und aktuelle Expertentipps lesen Sie hier

Es gibt auch noch die Geschichte von Pavel Kuka, dem tschechischen Vize-Europameister. Der musste in der Saison 97/98 wochenlang pausieren, weil er einen Unfall mit der Sprudelflasche hatte. Er saß zu Hause im Wohnzimmer, wollte sich den Horrorfilm „Der Wolf” ansehen. War so fasziniert von dem Film, dass ihm eine Sprudelflasche aus der Hand glitt, auf dem Keramik-Boden explodierte und die Glassplitter nur so durch die Gegend flogen. Der Film hatte den Stürmer so sehr in seinen Bann gezogen, dass er zunächst gar nicht merkte, dass sich ein Splitter auch in seinen Fuß gebohrt hatte. Kuka später: „Erst, als das Blut durch den Strumpf kam, sah ich, dass etwas passiert war.” Natürlich sah sich Kuka den Film zu Ende an, ehe er zum Vereinsarzt fuhr und sich die Wunde nähen ließ. Klar auch, dass der Stürmer seinem Verein ein paar Spiele lang fehlte. Die Wunde, direkt unter der Fußsohle, war nicht nur schmerzhaft, sondern musste erst verheilen.

Bei Profiverletzungen denkt man zunächst an Tritte und Fouls, an Bänderrisse und Knieverletzungen, an Platzwunden, die auf dem Feld getackert werden, und Spieler, die mit Turban weiterspielen. Aber die Liste der Profis, die sich auf ungewöhnliche Weise verletzen, ist länger, als man glaubt. Dirk Dammann zum Beispiel, der Libero des FC St. Pauli, rutschte in der Badewanne aus, schlug mit dem Gesicht auf den Wannenrand und brach sich dabei das Jochbein. Bremens Torwart Oliver Reck glitt im Trainingslager in Chiclana die Seifenschale aus der Hand und auf den Fuß; er zog sich dabei eine Platzwunde zu. Drei Tage Pause.

Seine Erfahrung mit der Badewanne machte auch Bremens Trainer Otto Rehhagel. Noch heute erzählen sich die Spieler die Geschichte von dem gewaltigen Getöse in einem Hotel in Hongkong. Als Rehhagel ausrutschte, versuchte er mit aller Macht, sich mit dem Fuß am Wasserhahn abzustützen. Dabei brach die gesamte Armatur aus der Wand heraus – und Rehhagel zog sich eine Platzwunde am Fuß zu, konnte tagelang nur humpeln. Michael Schulz, ebenfalls Bremen, wollte sich als vorbildlicher Hausmann betätigen und den Müllsack wegbringen. An der Mülltonne zog er sich einen Hexenschuß zu, fiel zwei Wochen aus.

Es gibt Tage, da sollten auch Profis besser im Bett bleiben. Doch auch dieser Ort hat seine Tücken. Trainer-Unikum
Uwe Klimaschefski bei einer Pressekonferenz auf die Frage, warum er Michael Blättel nicht habe spielen lassen: „Der Blättel? Der hat sich im Bett verletzt. Wie er das gemacht hat, weiß ich auch nicht.” Die Zuhörer grinsten vieldeutig. Doch falsch gedacht. Blättel hatte sich beim Aufstehen verdreht, das Kreuz verrenkt.

Als Eike Immel mal mit einem blauen Auge im Stuttgarter Tor stand, vermuteten die Kollegen eine handfeste Keilerei. Immel allerdings erklärte das Veilchen so: „Ich habe mich nach der Zeitung gebückt und dabei einen Kronleuchter übersehen, der auf dem Boden stand.” Die Geschichte klingt so unwahrscheinlich, dass sie damit schon wieder plausibel wird.

Viel schlimmer aber ist es, wenn Millionen vor den TV-Schirmen Augenzeugen solcher Mißgeschicke werden. Günter Eichberg kennt das. Als er noch Schalke-Präsident war, saß er mal mit auf der Trainerbank und holte sich einen mächtigen Brummschädel. Beim Torjubel war er aufgesprungen und hatte schlichtweg das Dach über seinem Kopf vergessen.

Oder Dragoslav Stepanovic. Als der Serbe als Trainer von Bayer Leverkusen in Bremen antrat, machte er unliebsame Bekanntschaft mit der Tartanbahn. Er sprang auf, wollte seinen Spielern Anweisungen geben, rutschte auf der nassen Laufbahn aus und schlug der Länge nach hin. Dabei brach ersieh auch noch das Schlüsselbein an.

Zum Schluss noch eine Geschichte mit dem Mannschaftsbus. Stefan Kuntz ist nämlich kein Einzelfall. Franz Michelberger, blonder Wirbelwind bei Bayern München und Kickers Offenbach, erwischte es beim Einsteigen. Im Trainingslager in Israel schubste ihn ein Kamel Richtung Bustür. Michelberger stolperte und schlug mit dem Knie gegen die Metallstufen. Aua.


Dragoslav Stepanovic mit hängender Schulter: Der Trainer rutschte im Bremer Weserstadion aus, fiel der Länge nach hin und zog sich dabei einen Schlusselbeinbruch zu.


Turban-Hoeneß beim Kopfball: Bayerns Dieter Hoeneß im Luftkampf gegen Nürnbergs Peter Stöcker. Eine Szene aus dem Pokalfinale 1982, das die Bayern 4:2 gewannen. Hoeneß schoß mit Turban sogar noch ein Tor. Bei einem Zusammenprall mit Alois Reinhardt hatte sich Hoeneß diese schreckliche Platzwunde auf der hohen Stirn zugezogen, die trotz Verband stark blutete.

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Bildquelle: www.123Sportwetten.eu