Der Torbruch von Gladbach in 1971 – Fußball und Gesundheit
Der Torbruch von Gladbach: „Plötzlich hörte ich es krachen…”
Das Knacken des Holzes war bis auf die Tribüne zu hören. „Ich habe mich selten so hilflos gefühlt. So etwas ist mir in meiner langen Trainerkarriere noch nie passiert”, erklärte Hennes Weisweiler später. Und dann beschrieb Gladbachs Meistercoach, wie er diese kuriose Szene am 3. April 1971 auf dem Mönchengladbacher Bökelberg erlebte. Eine Szene, die Fußball-Geschichte schrieb. „Ich hatte kurz vorher noch auf die Uhr gesehen und festgestellt, dass nur noch zwei Minuten zu spielen waren. Doch dann war plötzlich alles vorbei – weil das Tor einfach zusammengebrochen war.”

Elf Spieltage vor Saisonende war Angstgegner Werder Bremen bei Tabellenführer Mönchengladbach zu Gast. Nach Toren von Horst Koppel und Bremens Hasebrink stand es 1:1. Doch Gladbach drängte vor 14.500 Zuschauern auf das Siegtor, hatte schon 23 Eckbälle herausgespielt. Nun segelte der 24. gerade in den Strafraum, doch wieder war Werder-Keeper Günter Bernard schneller, lenkte das Leder über die Querlatte.

Und erwischte den Ball somit gerade noch vor dem heranstürzenden Herbert Laumen. Der Gladbacher hatte soviel Tempo, dass er unfreiwillig gleich über die Linie ins Tornetz hineinrutschte. „Dann hörte ich es nur noch krachen. Das war unglaublich laut, und ich bin zusammengezuckt”, erinnert sich Laumen an diese Sekunden. „Als ich hinsah, war das Tor über mir zusammengebrochen, lag, wenige Zentimeter über dem Erdboden abgeknickt, fast auf mir drauf.”

Was sich danach abspielte, glich einem Tollhaus. 22 Spielerstanden ratlos und staunend um das zerstörte Tor. Ein paar Helfer versuchten vergeblich, das Tor wieder aufzurichten. Immer wieder fielen die Pfosten in sich zusammen, selbst wenn inzwischen Dutzende Zuschauer aufs Spielfeld geklettert waren, um bei den Aufbauarbeiten behilflich zu sein. Später beschwerten sich die Gladbacher Offiziellen, dass die Menschenmassen die Aufbaubestrebungen behindert hätten und so das Tor erneut umgefallen wäre und nicht mehr reparabel gewesen sei.

Zum gleichen Zeitpunkt diskutierte Kapitän Günter Netzer eifrig mit Schiedsrichter Gert Meuser, erklärte immer wieder, dass die Gastgeber bereit seien, diese Partie ordnungsgemäß zu beenden. Doch der Unparteiische wurde zur umstrittenen Hauptperson dieses Nachmittags. Nach zwölf Minuten des Wartens schritt Meuser zur Mitte und erklärte symbolisch die Partie für abgebrochen.

Zwar gab ihm das DFB-Sportgericht anschließend recht, wertete die Begegnung mit 2:0 für die Hanseaten. Doch stellte sich wenig später eine gehörige Mitschuld des jungen, unerfahrenen Schiedsrichters heraus. Dieser nämlich hatte bei seinem erst vierten Bundesliga-Einsatz zwar den ordnungsgemäßen Zustand der Tore und Netze kontrolliert, nicht aber die Austauschteile für ein Ersatztor. Diese Prüfung allerdings hätte das Reglement verlangt. So steht beispielsweise in § 1 der Durchführungsbestimmungen für Bundesligaspiele: „Jeder Verein hat die Pflicht, eine ordnungsgemäße Sportanlage zur Verfügung zu stellen und dafür zu sorgen, dass während eines Spieles auftretende Schäden am Spielfeldaufbau unverzüglich behoben werden können. Dies gilt insbesonders auch für beschädigte Tore.”

Der Bruch von Gladbach ließ auch die Vereine umdenken. Fortan wurde in den Stadien umgerüstet, wurden kaum noch Tore mit Holzpfosten hergestellt. Seit Jahren nun verfügen alle Klubs über Aluminium-Tore, deren Stangen bei Beschädigung in kürzester Zeit ausgetauscht werden können.

Spielabbrüche in der Bundesliga
Am 7. Dezember 1963 wurde das Spiel zwischen dem Hamburger SV und Borussia Dortmund beim Stande von 1:2 in der 61. Minute abgebrochen. Der dichte Nebel trübte die Sicht für Schiedsrichter und Spieler. Das Wiederholungsspiel Gewann der HSV mit 2:1.

22 Tage vor Weihnachten 1967 musste Borussia Neunkirchen in der „Waschküche” des Neckarstadions beim VFB Stuttgart antreten. In der 54. Minute hatte der Schiedsrichter zwar keinen Durchblick mehr, aber ein Einsehen mit allen Beteiligten – und brach die Partie beim Stande von 0:0 ab. Die Neuauflage gewann der VFB mit 2:1.

Wieder Nebel war der Grund für einen Abbruch in Braunschweig. am 31. Oktober 1972 war kurz vor der Pause schluss. beim Stande von 3:0 wurde die Partie zwischen Braunschweig und Frankfurt abgebrochen. das Wiederholungsspiel endete mit 2:1 für die Gastgeber. Ein Flaschenwurf beendete die Partie zwischen Kaiserslautern und Düsseldorf am 27. November 1976. Fortuna führte durch ein Tor von Zewe mit 1:0, was die heimischen Fans zu dieser unkontrollierten Aktion gegen den Schiedsrichter aufbrachte. Der brach das Spiel ab – was Düsseldorf später einen 2:0-sieg einbrachte.


Ordner und Zuschauer packen mit an: Bremens Verteidiger versucht, das morsche Holz-gebälk am Gladbacher Bökelberg wieder aufzurichten. Es bleibt beim Versuch. Jetzt helfen viele Hände: Vier Bremer Spieler, noch mehr Ordner, noch mehr Zuschauer. Und das Foto ganz links zeigt, wie schief die Pfosten stehen, wie aussichtslos die Aufbauarbeiten sind.

Foto links: Heftige Diskussionen zwischen Spielern (ganz rechts Torwart Kleff) und Schiedsrichter Meuser aus Ingelheim. Nach 14 Minuten pfeift er das Spiel ab. Die Gladbacher hoffen auf ein Wiederholungsspiel…